ROTKÄPPCHEN, DACKEL & DER WOLF

Ein Märchenfilmprojekt für und mit gehörlosen und hörenden Kindern.

 

Rotkäppchen, Dackel und der Wolf handelt von der gehörlosen Familie Ziernagel.
Dem Rotkäppchen (8 Jahre), ihrem Bruder Dackel (8 Jahre), ihrer Mutter Rose (30 Jahre), die in einer modernen Wohnung eines Stätdchens wohnen und ihrer Waldoma (65 Jahre), die in einem kleinen Holzhaus im Wald lebt. Und natürlich dem bösen Wolf.

Die Geschichte ist eine zeitgenössische Interpretation des Märchens „Rotkäppchen“, nach den Gebrüdern Grimm.

In dem Kurzfilmprojekt geht es darum ein Märchen in Gebärdensprache zu erzählen und darum eine Ästhetik und Bildsprache zu finden, die Gehörlose und Hörende gleichermaßen anspricht. Die Darsteller werden in Gebärdensprache kommunizieren und in Lautsprache synchronisiert. Dabei ist es uns wichtig, dass die Darsteller die deutsche Gebärdensprache als ihre Muttersprache ansehen.
Das Märchen wird aus einer Mischung von Real- und Animations- bzw. Collagenfilm erzählt.
Die Geschichte beginnt mit den Mitteln des Realfilms und zeigt eine alltägliche Situation der gehörlosen Familie Ziernagel in ihrer Wohnung und deren humorvolle und lebendigen Kommunikation untereinander. Wird die Geschichte am Anfang fast noch dokumentarisch erzählt wird sie zum Ende hin immer mehr zu einer surrealen Phantasiewelt.

Durch die enge Zusammenarbeit mit Gehörlosen soll Hörenden ein Zugang zur Erlebnis- und Vorstellungswelt der Gehörlosen ermöglicht werden. Auf diesem Weg möchte der Film einladen, die Lebenssituation und die Sprache der Gehörlosen zu entdecken. Die Welt durch die sich das Rotkäppchen und ihr kleiner Bruder Dachel bewegen, ist größtenteils aus animierten Sequenzen gestaltet. Dabei werden die realen DarstellerInnen im Blueboxverfahren mit Trickfilmsequenzen kombiniert. Die Gebärdensprache ist in dieser Welt nicht nur eine Sprache der Darsteller, sondern auch Dinge und Häuser stellen sich selbst mittels einzelner Gebärdensymbole als animierten Objekte dar. So sollen z.B. Bäume durch Hände dargestellt werden, die in der Gebärdensprache den Baum symbolisieren. Die Häuser der Stadt haben Augen, Nase, Mund und Arme, und können ebenfalls gebärden.

Neben der Komplexität und den Ausdrucksmöglichkeiten der Gebärdensprache, soll die Freude am visuellen, insbesondere von Gehörlosen, bedient aber auch gezeigt und zum Thema gemacht werden. Gehörlose fokussieren in ihrer Wahrnehmung viel mehr auf das Sehen. Deshalb verfügen sie über eine sehr genaue Beobachtungsgabe und sind den Hörenden in diesem Punkt weit überlegen.

Es ist ein Anliegen des Films über die Bildsprache die Umsetzung von Gedanken in lautlose Zeichen und deren visuelle Wahrnehmung zu fördern, und so eine Brücke zwischen der gehörlosen und hörenden Welt zu bauen. .

Eine enge Zusammenarbeit von Gehörlosen und Hörenden ohne Kenntnisse der Gebärdensprache ist eher ungewöhnlich und selten. Während des Projektes sollen Kommunikationsbarrieren mit Hilfe von Dolmetschern überwunden werden, um eine intensive Zusammenarbeit zu ermöglichen. Dabei werden wir von Studierenden der Studiengänge Deaf Studies und Gebärdensprachdolmetschen der Humboldtuniversität zu Berlin unterstützt.

Das Märchenfilmprojekt möchte einen Raum schaffen, in dem sich gehörlose wie hörende Menschen interessiert und offen begegnen, um gemeinsam an einem sehr besonderen Märchen zu arbeiten, das alle gleichermaßen begeistern soll.

Rotkäppchen, Dackel und der Wolf wird auf HD realisiert und eine Gesamtlänge von 15 Minuten betragen. Dabei gehen wir von einer internationalen Festival- und Fernsehauswertung aus.